Wie und wo findet Prostitution statt?

Sowohl männliche als auch weibliche Prostituierte existieren, wenngleich die weiblichen deutlich in der Überzahl sind. Ziel von Prostituierten, die auch Sexarbeiterinnen, abwertend auch „Nutten“, genannt werden, ist es, die Bedürfnisse ihrer Kunden, auch Freier genannt, zu befriedigen. Zumeist handelt es sich bei den Freiern um Männer, weibliche Kunden sind eher rar, wenngleich sogenannte Gigolos auch die Wünsche der Frauen bedienen. Die Formen der Prostitution sind vielfältig und ihre Grenzen fließend: Vom kleinen Nebenverdienst durch Escortservices bis hin zum Verdienen des Lebensunterhalts sind alle Formen möglich. Diese Vielfältigkeit zeigt, dass Prostitution Sex nicht einschließen muss, aber durchaus einschließen kann.

Auf Freiwilligkeit beruhende Prostitution

In einem Bordell findet treffen sich Freier und Prosituierte zum Sex – Foto:Usien – commons.wikimedia.org

Die Straßenprostitution wird auch als Straßenstrich, wie in diesem Beispiel vorgestellt, bezeichnet. Offiziell eingerichtete Sperrbezirke oder inoffiziell bekannte Stellen werden dafür genutzt, die Dienstleistung anzubieten. Sex findet bei der Straßenprostitution im Auto oder in darauf spezialisierten Stundenhotels statt.

Auf Prostitution spezialisierte Häuser nennt man Bordell: In einem Kontaktraum finden sich Freier und Prostituierte, anschließend suchen sie ein im Haus befindliches Zimmer für den Sex auf. Laufhäuser und Straßen, in denen in schaufensterähnlichen Räumen im Erdgeschoss Prostituierte sitzen, sind Abwandlungen dieser Form. Eine Prostituierte in einem Bordell ist faktisch angestellt. Mieten Prostituierte ein Zimmer in sogenannten Modellwohnungen, spricht man von der Modellprostitution. Genutzt werden häufig ehemalige Gewerberäume und Mietwohnungen. Alles geschieht auf eigene Rechnung, inklusive eigenem Risiko.
Beworben wird die Dienstleistung in Lokalzeitungen oder auch im Internet. Callgirls nennt man Prostituierte, die auf Anruf direkt beim Freier vorbeikommen. Optional über eine Agentur oder selbstständig agierend, findet Sex direkt beim Kunden oder in Hotels statt.

Partytreffs sind eine weitere Form, wie Prostituierte und Freier zueinanderfinden: Mehrere Prostituierte sitzen in wohnraumähnlichen Zimmern mit Freiern zusammen. Sexuelle Handlungen werden entweder in Einzelräumen vollzogen oder aber auf sogenannten Spielwiesen, auf denen sich auch mehrere Pärchen gleichzeitig treffen. Solche Partys können also bis hin zum Gruppensex gehen. Unterschieden werden diese Partytreffs von Swingerclubs dadurch, dass professionelle Prostituierte mitarbeiten, während Swingerclubs privates Publikum anziehen. Freier zahlen für diese Treffen eine Pauschale, die Sex mit einer – im Trend sind hier Gangbang oder Bukake – oder mehreren anwesenden Prostituierten inkludiert. Weiter ist zumeist ein Buffet inklusive; nicht-alkoholische Getränke ebenfalls. Zusatzleistungen wie erotische Massagen, Whirlpool oder Sauna können teilweise ebenfalls gebucht werden.

Gerade in ländlichen Gebieten ist die Wohnwagenprostitution gängig: An Land- und Bundesstraßen befinden sich Wohnwagen, die als Räumlichkeiten zum Sex genutzt werden. Die Prostituierten empfangen ihre Freier direkt am Wohnwagen, aber auch an Raststätten, auf Parkplätzen oder in Feldwegmündungen.

Sonderformen der Prostitution

Eine Sonderform der Prostitution findet sich mit der Sexualassistenz, auch Surrogatpartner oder Sexualbegleitung genannt: Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine Sexualpartner finden, aber sexuelle Befriedigung suchen, wenden sich an diese Sexualbegleitung (hier ein Artikel aus der taz dazu). Auch, wenn Potenzschwächen im Rahmen einer Sexualtherapie ausgeglichen werden sollen, aber kein Partner zur Verfügung steht, wendet man sich an die Sexualassistenz. Sowohl weibliche als auch männliche Ersatzpartner werden über spezielle Agenturen gebucht. Spezielle Ausbildungsgänge ermöglichen es den Prostituierten, auf die Bedürfnisse behinderter Menschen einzugehen. Ebenfalls zu den Sonderformen der Prostitution zählt BDSM: In SM-Studios stattfindend, baut diese Form auf „Strenge und Schmerz“ auf. Eine Domina oder ein Dominus bildet den aktiven Part, der „Duldende“, auch Sklave oder Sklavia, den passiven.

Die Schattenseiten der Prostitution

Ob Sie freiwillig ihre Dienste anbietet wird den Freiern oft nicht verraten – Foto:Julica da Costa

Die bisher genannten Formen der Prostitution basieren in aller Regel auf Freiwilligkeit: Prostituierte erfüllen eine Dienstleistung; oft spricht man vom ältesten Gewerbe der Welt. Die folgenden Formen beruhen nicht auf Freiwilligkeit; Menschen werden in die Prostitution gezwungen. Die Gründe dafür sind oft mehrschichtig und können sehr unterschiedlich ausfallen. Auch das Abgrenzen zwischen freiwilliger und Zwangsprostitution fällt stellenweise schwer; es kann bei freiwilligen professionellen Sexdienstleistern aufgrund der Nichtakzeptanz des sozialen Umfeldes passieren, dass sie in die Zwangsprostitution getrieben werden. Gerade in wirtschaftlich schwachen Ländern, etwa in der Dritten Welt, sehen Menschen zuweilen keine andere Möglichkeit, als sich zu prostituieren, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Zwangsprostitution ist häufig mit anderen kriminellen Taten verbunden. Hier versuchen mittlerweile immer mehr Vereinigungen gegen das Geschäft mit Frauen als Ware im Menschenhandel vorzugehen.

Beispiele für die Zwangsprostitution

Die Zuhälterei ist kein legales Mittel. Zuhälter können Zwang auf Prostituierte ausüben, angefangen dabei, dass sie sich überhaupt prostituieren, bis hin dazu, dass ein gewünschter Anteil an verdientem Geld an den Zuhälter abgeliefert wird. Prostituierte können unter der Kontrolle des Zuhälters stehen, der männlich oder weiblich sein kann. Gewalt oder psychische Manipulation sind gängige Mittel, diese Kontrolle auszuüben, teilweise werden auch suchterzeugende Drogen eingesetzt.

Dies führt zu einer weiteren Form der Zwangsprostitution: Die drogenbedingte Prostitution. In der Zwangslage befindlich, Geld für Drogen heranzuschaffen, spricht man von der Beschaffungsprostitution. Sind Zuhälter Teile der organisierten Kriminalität, kann die Prostitution in den Menschenhandel übergehen: Menschen aus vorrangig wirtschaftlich schwachen Weltregionen werden verschleppt, um durch körperliche und seelische Gewalt zur Prostitution gezwungen zu werden.
Werden Kinder sexuell ausgebeutet, spricht man von der Kinderprostitution. Als Kind wird per Gesetz eine Person unter 18 Jahren definiert. Auch hier gibt es Aktionsbündnisse wie zum Beispiel im Internet das Netzwerk roterkeil.net, die versuchen dagegen vorzugehen.

Grauzone: Sextourismus

Als eine Grauzone boomt seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Sextourismus: Menschen reisen in zumeist ärmere Gebiete, um sexuelle Kontakte einzugehen. Diese Form der Prostitution ist deshalb eine Grauzone, da die Arbeit der Einheimischen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, nicht selten dem Bereich Zwangsprostitution zugerechnet werden kann.

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