Erotische Literatur

Sinnliche Eindrücke und Vorstellungen in Worte zu kleiden, hat eine lange Tradition, die sich bis in die Antike zurückverfolgen lässt. Damals schrieben die Dichter teilweise sehr unverblümt darüber, was sie erotisch bewegte. In der Bibel stellt das „Hoheslied des Salomon“ eine Besonderheit dar, in dem dieser seiner Freundin huldigt und ihre Vorzüge beschreibt. Griechen und Römer verschwiegen in ihren erotischen Schilderungen auch die gleichgeschlechtliche Anziehungskraft nicht.

Erotische Literatur mit Zensur belegt

Über spätere Jahrhunderte hinweg galt alles als schmutzig, was sich literarisch beschreibend mit der Geschlechtlichkeit des Menschen beschäftigte. Erotische Geschichten und Romane wurden z. B. in den prüden viktorianischen Zeiten als Porografie betrachtet – und trieben wahrscheinlich schon deshalb viele Blüten. „Saftige“ Romane wie „Fanny Hill“ (Auszug aus dem Roman), der bereits im 18. Jh. entstand und längst zur Weltliteratur im Genre der Erotik gehört, wurden unter der Hand veröffentlicht und weitergegeben und erreichten einen hohen Bekanntheitsgrad bei einem einschlägigen Publikum. Anfang des 20. Jh. erschienen die „Memoiren der Josefine Mutzenbacher“, ein vermutlich fiktives Sittenbild, das angeblich eine Wiener Hure verfasst hatte. Auch dieses Buch gilt spätestens seit den 1970er Jahren als eines der Meisterwerke der erotischen Literatur. Nicht so volkstümlich im Stil, aber von großer Offenheit ist das skandalträchtige Buch „Lady Chatterleys Liebhaber“ des englischen Erfolgsautors D. H. Lawrence, das 1921 erschien und es zu Weltruhm brachte, obwohl oder weil es bis in die 1950er Jahre nur zensiert und „bereinigt“ gedruckt werden durfte.

Meine 365 Liebhaber. Der Zweite, bisher noch nicht veröffentlichte Teil der Erinnerungen von Josefine Mutzenbacher

Weibliche Erotik in der Literatur

Viele Geschichten und Romane, in denen Erotik und Sex eine wichtige Rolle spielen, sind aus männlicher Sicht verfasst, z. B. diejenigen von Autoren wie Henry Miller, Charles Bukowski oder Philip Roth. Frauen (und Männer) lesen auch gern erotische Literatur, die aus dem weiblichen Blickwinkel verfasst wurde wie die Klassiker „Das Delta der Venus“ von Anaïs Nin, ein Überblick über den Inhalt findet sich hier, oder „Angst vorm Fliegen“ von Erica Jong. Heute schreiben viele Frauen sehr frei und offen über intime Dinge, wobei es dem Rezepienten überlassen bleibt, ob er dies tatsächlich als erotische Literatur versteht. Ein Beispiel wären die „Feuchtgebiete“, der Bestseller von Charlotte Roche. Im asiatischen und afrikanischen Kulturkreis beispielsweise finden Autorinnen und Autoren ihre ganz eigene Sprache für erotische Darstellungen und die Formulierung von Sehnsüchten und Liebesgefühlen.

Erotische Bücher kommen an

Zwischen den Weltkriegen und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich zumindest in der westlichen Welt eine bedeutend weniger verklemmte Einstellung gegenüber der Sinnlichkeit, die sich auch stark in Fotografie und Film ausdrückte. Die Maler waren ihrer Zeit weit voraus und hatten vielfach weitaus früher z. B. den weiblichen Körper in den Vordergrund ihrer Werke gerückt. Viele Romane der Unterhaltungsliteratur des 20. Jh. enthielten mehr oder weniger subtile Schilderungen von Erotik und Sex und konnten damit ihre Verkaufserfolge steigern. Beispiele: „Die Clique“ von Mary McCarthy, „Das Tal der Puppen“ von Jacqueline Susann oder „Türkische Früchte“ von Jan Wolkers. Aktuell führt „Fifty Shades of Grey“ von E. L. James die Bestsellerlisten an, eine SM-Trilogie, die nun auch auf Deutsch erscheint (eine kleine Leseprobe gibt es hier). Heute ist die Beschreibung von erotischen Begegnungen, Gedanken und Visionen ein normaler Vorgang in der Literatur. Auch reommierte deutsche Autoren wie Günter Grass oder Martin Walser machen sie zum Bestandteil ihrer Werke. Nicht allen Schriftstellern gelingt es, das Erotische als etwas rein Geistiges zu formulieren, häufig fallen die Schilderungen auch eindeutig sexuell, ein wenig schlüpfrig und mehr hart als zart aus.

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